Landesamt für Arbeitsbeschaffung

Für weitere Informationen kontaktieren Sie Ihren lokalen Arbeitsamt. Die Adressen sind im Telefonbuch oder auf der Website: www.lfa.be

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Was ist der Zeitkredit ?

Infoblatt

E66

Zuletzt aktualisiert am
13-05-2013

Der Zeitkredit ist Bestandteil der Regelung über die Laufbahnunterbrechung. Er wurde von den Sozialpartnern (Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaftsorganisationen) eingeführt, um es den Arbeitnehmern, die bei einem Arbeitgeber des Privatsektors beschäftigt sind, zu ermöglichen, mit der Arbeit auszusetzen oder ihre Arbeitsleistungen vorübergehend zu verkürzen.

Ziel des Zeitkredits ist es, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen.

Während der Aussetzung der Arbeit oder der Verkürzung der Arbeitsleistungen kann der Arbeitnehmer als Ersatzeinkommen monatliche Zulagen vom LfA erhalten. Wenn dem so ist, können die ausgesetzten oder verkürzten Arbeitsleistungen eventuell für seine Pension gleichgestellt werden.

Auf wen ist die Regelung des Zeitkredits anwendbar ?

Der Zeitkredit gilt für Arbeitnehmer, die bei einem Arbeitgeber des Privatsektors beschäftigt sind.

Die Arbeitgeber des Privatsektors sind diejenigen, die Mitarbeiter beschäftigen, die in den Geltungsbereich des Gesetzes vom 05.12.1968 über die kollektiven Arbeitsabkommen und die paritätischen Kommissionen fallen. Fallen unter anderem in den Geltungsbereich dieses Gesetzes :

  • die Unternehmen (AGs, PGmbHs, ...) und die VoGs;
  • die gemischten Interkommunale der Strom- und Wasserversorgung;
  • die regionalen und lokalen Gesellschaften der öffentlichen Verkehrsmittel (Stib, Tec, De Lijn);
  • die freien universitären Einrichtungen (ULB, UCL, VUB, KUL, ...) mit Ausnahme des akademischen Personals der flämischen freien Universitäten;
  • "Brussels Airport Company" (Flughafen von Zaventem), "Brussels South Airport Security" (Flughafen von Charleroi) und "Liège Airport Security" (Flughafen von Lüttich-Bierset);
  • die Gesellschaften für sozialen Wohnungsbau;
  • die Schulen und PMS-Zentren des freien Unterrichtswesens, jedoch nur für nichtbezuschusste Vertragspersonalmitglieder;

Achtung, diese Liste ist nicht erschöpfend!

An wen können Sie sich im Zweifelsfall wenden?

Es gehört nicht zur Zuständigkeit des LfA, zu bestimmen, ob Sie ein Arbeitgeber sind, der in den Geltungsbereich des Gesetzes vom 05.12.1968 fällt, und ob Sie demnach zum Privatsektor gehören oder nicht. Wenn Sie Zweifel diesbezüglich haben, können Sie sich an die "Generaldirektion für kollektive Arbeitsverhältnisse" des Föderalen öffentlichen Dienstes Beschäftigung, Arbeit und soziale Konzertierung wenden : Rue Ernest Blérot, 1 – 1070 Brüssel / Telefon (Zentrale) : 02.233.41.11 / Internet : http://www.emploi.belgique.be/.

Welches sind die verschiedenen Arten von Zeitkredit?

Es gibt drei Arten von Zeitkredit.

  • Der Zeitkredit ohne Begründung.

Diese Art von Zeitkredit kann aus gleich welchem Grund beantragt werden. Näheres erfahren Sie im Infoblatt E61.

  • Der Zeitkredit mit Begründung.

Diese Art von Zeitkredit macht einen Zusatzanspruch aus, der zusätzlich zum Zeitkredit ohne Begründung geltend gemacht werden kann, wenn der Arbeitnehmer seinen Antrag durch einen in den Vorschriften vorgesehenen Grund rechtfertigen kann. Näheres erfahren Sie im Infoblatt E62.

  • Der Laufbahnende-Zeitkredit.

Diese Art von Zeitkredit ist für Arbeitnehmer in "Laufbahnende" bestimmt, die Ihre Arbeitsleistungen bis zur Pension verkürzen möchten. Näheres erfahren Sie im Infoblatt E63.

Welches sind die verschiedenen Formen von Zeitkredit ?

Es gibt drei Formen von Zeitkredit :

  • Der Vollzeit-Zeitkredit

Er ermöglicht es dem Arbeitnehmer, ganz mit der Arbeit auszusetzen, unabhängig davon welches seine ursprüngliche Arbeitszeit ist (Vollzeit oder Teilzeit).

NB : Der Vollzeit-Zeitkredit ist nur ohne oder mit Begründung möglich.

  • Der Halbzeit-Zeitkredit.

Er ermöglicht es dem Arbeitnehmer, der mindestens 3/4-Zeit beschäftigt ist, seine Arbeitsleistungen zu verkürzen, um weiter zu 50% einer Vollzeitarbeitszeit zu arbeiten.

  • Der 1/5-Zeitkredit.

Er ermöglicht es dem Arbeitnehmer, der Vollzeit und mit einer auf mindestens 5 Tage verteilten Arbeitszeit beschäftigt ist, seine Arbeitsleistungen um einen ganzen Tag oder um zwei halbe Tage pro Woche zu verkürzen.

Eventuell ist es möglich, eine andere Verkürzung der Vollzeitarbeitszeit auf eine 4/5-Zeit zu vereinbaren. Diese Möglichkeit muss allerdings vorgesehen sein :

  • in einem kollektiven Arbeitsabkommen, das auf Unternehmens- oder sektorieller Ebene abgeschlossen wurde ;
  • oder in Ermangelung einer Gewerkschaftsvertretung im Unternehmen, per Arbeitsordnung, jedoch unter der Bedingung, dass eine gegenseitige Vereinbarung diesbezüglich zwischen Ihnen und dem Arbeitnehmer abgeschlossen wird.

Muss der Arbeitnehmer Bedingungen erfüllen, um einen Zeitkredit zu erhalten?

Ja. Der Arbeitnehmer muss obligatorisch Zugangsbedingungen erfüllen. Diese Bedingungen hängen von der Art und der Form des beantragten Zeitkredits ab.

Diese Zugangsbedingungen sind beschrieben :

  • im Infoblatt E61, was den Zeitkredit ohne Begründung betrifft;
  • im Infoblatt E62, was den Zeitkredit mit Begründung betrifft;
  • im Infoblatt E63, was den Laufbahnende-Zeitkredit betrifft;

Als Arbeitgeber ist es Ihre Aufgabe, zu prüfen, ob die Zugangsbedingungen erfüllt sind. Es muss zum Datum der schriftlichen Benachrichtigung des Arbeitnehmers (von seiner Absicht, einen Zeitkredit in Anspruch zu nehmen) nachgeprüft werden, ob diese Zugangsbedingungen erfüllt sind. Nähere Informationen zum Antragsverfahren finden Sie im Infoblatt E65.

Wenn die Zugangsbedingungen nicht erfüllt sind, kann der Arbeitnehmer den beantragten Zeitkredit nicht erhalten, selbst wenn Sie einverstanden sind, ihm den Zeitkredit zu gewähren.

Welches ist die Entlohnung des Arbeitnehmers während des Zeitkredits?

  • Bei einem Vollzeit-Zeitkredit wird der Arbeitnehmer nicht mehr vom Unternehmen entlohnt, da seine Arbeitsleistungen ausgesetzt sind;
  • Bei einem Halbzeit-Zeitkredit hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine Entlohnung, die auf der Grundlage der Halbzeitarbeitsleistungen, die weiter erbracht werden, bemessen wird;
  • Bei einem 1/5-Zeitkredit hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine Entlohnung, die auf der Grundlage der 4/5-Zeit-Arbeitsleistungen, die weiter erbracht werden, bemessen wird.

Zum Ausgleich des Verlusts oder der Verringerung seiner Einkünfte kann der Arbeitnehmer eine monatliche Zulage vom LfA erhalten, vorausgesetzt, dass er die in den Vorschriften festgelegten Bedingungen erfüllt. Nähere Informationen finden Sie im Infoblatt E67.

Welches ist die geltende Gesetzgebung?

Die Gesetzgebung ist unterteilt in die auf Ebene des Arbeitgebers anwendbaren Bestimmungen, die auf Ebene des LfA anwendbaren Bestimmungen und die Bestimmungen, die vom Landespensionsamt angewendet werden.

Auf Ebene des Arbeitgebers anwendbare Bestimmungen

Diese Bestimmungen werden am Nationalen Arbeitsrat vereinbart. Sie setzen Folgendes fest:

  • die Zugangsgrundsätze und -bedingungen, um in den Genuss eines Zeitkredits zu kommen;
  • die Beantragungs-, Rechtsausübungs-, Aufschub- und Abbruchsmodalitäten des Zeitkredits;
  • die Organisationsregeln;
  • die Garantien der Ausübung des Rechts.

Ab dem 01.09.2012 geltende Regelung

Ausgehend von den Sparmaßnahmen, die vom Föderalgesetzgeber geplant wurden, haben die Sozialpartner ein neues kollektives Arbeitsabkommen abgeschlossen. Sein Ziel ist es, das Recht auf Zeitkredit beim Arbeitgeber und das Recht auf die Zulagen, die vom LfA gewährt werden, aufeinander abzustimmen.

Diese Bestimmungen sind im Kollektiven Arbeitsabkommen (KAA) Nr. 103 vom 27.06.2012 zur Einführung eines Systems von Zeitkredit, Laufbahnverkürzung und Laufbahnendebeschäftigungen festgeschrieben.

Dieses KAA ist per Königlichen Erlass vom 25.08.2012 (im Belgischen Staatsblatt vom 31.08.2012 veröffentlicht) für allgemeinverbindlich erklärt worden.

Das KAA Nr. 103 gilt für alle Anträge auf einen Zeitkredit, für welche die an den Arbeitgeber gerichtete schriftliche Benachrichtigung ab dem 01.09.2012 vorgenommen wurde.

Übergangsmaßnahmen zur Anwendung der vor dem 01.09.2012 geltenden Vorschriften

Vor dem 01.09.2013 waren die beim Arbeitgeber geltenden Bestimmungen im kollektiven Arbeitsabkommen (KAA) Nr. 77bis vom 19.12.2001 festgeschrieben, das das kollektive Arbeitsabkommen Nr. 77 vom 14.02.2001 zur Einführung eines Systems von Zeitkredit, Laufbahnverkürzung und Verkürzung der Arbeitsleistungen auf eine Halbzeit ersetzt.

Die Bestimmungen, die im KAA Nr. 77bis vorgesehen sind, gelten nach wie vor :

  • für alle Erstanträge und Verlängerungsanträge auf einen Zeitkredit, für die die schriftliche Benachrichtigung vor dem 01.09.2012 dem Arbeitgeber übermittelt wurde;
  • für Arbeitnehmer ab 50 Jahren, die sich vor dem 01.09.2012 bereits im Laufbahnendesystem des Zeitkredits befanden, die aber dieses System nicht in einem Stück bis zur Pension beantragt hatten, und die ihren ersten nach dem 31.08.2012 gestellten Verlängerungsantrag bei ihrem Arbeitgeber einreichen;
  • für Arbeitnehmer, die sich vor dem 01.09.2012 bereits in Halbzeit- oder 1/5-Zeitkredit im allgemeinen System befanden, und die nach dem 31.08.2012 einen Zeitkredit im Laufbahnendesystem ab 50 Jahren beantragen, sofern:
    • eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer diesbezüglich getroffen wurde;
    • der Arbeitgeber vor dem 28.11.2011 schriftlich benachrichtigt wurde;
    • der Laufbahnende-Zeitkredit nahtlos an den Zeitkredit im allgemeinen System anschließt und es sich um die selbe Form von Leistungsverkürzung handelt (auf Halbzeit oder um 1/5-Zeit).

Für die Anwendung des KAA Nr. 103 bleiben die Unternehmens- oder sektoriellen KAAs, die Arbeitsordnungen und die in Anwendung des KAA Nr. 77bis getroffenen Vereinbarungen rechtskräftig, was nachfolgende Aspekte betrifft:

  • die Verlängerung der Systeme von Vollzeit- oder Halbzeit-Zeitkredit über 12 Monate hinaus im allgemeinen System.

Achtung! Die diesbezüglich abgeschlossenen KAAs ermöglichen lediglich die Entstehung eines Zusatzanspruchs von höchstens 36 Monaten auf den Vollzeit- oder Halbzeit-Zeitkredit mit Begründung gemäß den Bestimmungen des Artikels 4 § 1 des KAA Nr. 103 (siehe das Infoblatt E62 über den Zeitkredit mit Begründung).

  • die Personalgruppen, die vom Anspruch auf den Zeitkredit ausgeschlossen sind;
  • die Modalitäten der Arbeitsorganisation bei einem Antrag auf einen 1/5-Zeitkredit;
  • die Modalitäten zur Abweichung von der Grenze von 5% gleichzeitiger Abwesenheiten und den Vorrangsmechanismus bei der Planung der Abwesenheiten.
Nähere Auskünfte

Wenn gewisse Arbeitnehmer Ihres Unternehmens sich in einer der vorgenannten Situationen befinden, finden Sie Informationen über die Regelung des Zeitkredits, so wie sie im KAA Nr. 77bis vorgesehen ist, im Infoblatt E56.

Auf Ebene des LfA anwendbare Bestimmungen

Gewährung der Unterbrechungszulagen

Wenn die Bedingungen des KAA erfüllt sind, kann der Arbeitnehmer in den Genuss der Unterbrechungszulagen des LfA kommen.

Die auf Ebene des LfA anwendbaren Bestimmungen setzen die Bedingungen zur Gewährung der Unterbrechungszulagen und die darauf fußenden Modalitäten fest (Antragsverfahren, Kumulierung mit anderen Tätigkeiten und/oder Einkünften, Wohnsitzbedingung, usw.)
Sie sind festgeschrieben im:

  • Gesetz vom 10.08.2001 über das In-Einklang-Bringen von Beschäftigung und Lebensqualität;
  • Königlichen Erlass vom 12.12.2001 zur Ausführung des Gesetzes vom 10.08.2001, wie abgeändert durch:
    • den Königlichen Erlass vom 08.06.2007 (B.S. : 15.06.2007 – I. K. : 01.06.2007);
    • den Königlichen Erlass vom 21.02.2010 (B.S.: 01.03.2010 – I. K. : 01.03.2010);
    • den Königlichen Erlass vom 28.12.2011 (B.S.: 30.12.2011 – I. K. : 01.01.2012);
    • den Königlichen Erlass vom 25.08.2012 (B.S. : 31.08.2012 – I. K. : 01.09.2012).

Abzüge von eventuellen ergänzenden Entschädigungen

In gewissen Fällen zahlt der Arbeitgeber oder ein sektorieller Fonds eine oder mehrere ergänzenden Entschädigungen zusätzlich zu den Unterbrechungszulagen, die vom LfA gewährt werden. Von diesen Entschädigungen können Abzüge vorgenommen werden.

Die diesbezüglichen Bestimmungen sind festgeschrieben im Königlichen Erlass vom 29.03.2010 zur Ausführung des Kapitels 6 des Titels XI des Gesetzes vom 27.12.2006 zur Festlegung verschiedener Bestimmungen in Bezug auf die Beiträge zur Sozialen Sicherheit und die geschuldeten Einbehaltungen von Frühpensionen, von Zusatzentschädigungen zu gewissen Zulagen der Sozialen Sicherheit und von Invalidenentschädigungen.

Nähere Informationen finden Sie im Infoblatt E34 über die Beiträge und Einbehaltungen von den ergänzenden Entschädigungen im Rahmen des Zeitkredits.

Auf Ebene des Landespensionsamts anwendbare Bestimmungen

Vorausgesetzt dass dem Arbeitnehmer während seines Zeitkredits Unterbrechungszulagen gewährt werden, können die ausgesetzten oder verkürzten Arbeitsleistungen eventuell für seine Pension gleichgestellt werden.

Die geltenden Bestimmungen sind vorgesehen in den Artikeln 122 bis 126 des Kapitels 5 des Gesetzes vom 28.12.2011 zur Festlegung verschiedener Bestimmungen.

Wichtige Bemerkung

Die Gleichstellung für die Pension der Zeiträume von Zeitkredit fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich des LfA.

Wenn Sie fragen zu diesem Thema haben, müssen Sie sich unbedingt an das Landespensionsamt (LPA) wenden.

LPA : Tour du Midi in 1060 BRÜSSEL // Dienst Regularisierung Laufbahnunterbrechung/Zeitkredit – Tel. : 02.529.27.65 (französischsprachige Infolinie) oder 02.529.27.67 (niederländischsprachige Infolinie) – Internet : http://www.onprvp.fgov.be..